Archive for the 'Auswander-News' Category

Das Auswandern nach Kroatien ist bei jungen Leuten beliebt

Wednesday, February 20th, 2008

Nicht weil junge Leute flexibel sind, denken sich über das Auswandern nach Kroatien nach, sondern auch, weil viele einen kroatischen Lebensgefährten haben.

Gerade europäische Länder erhalten seit den geringeren bürokratischen Hürden einen enormen Zuwachs an Auswanderern aus Deutschland. Statistisch gesehen gibt es insgesamt zehn Spitzenländer und acht davon gehören der Europäischen Union an. Auf Platz eins befindet sich zwar immer noch die Schweiz, gefolgt von den USA. Doch die europäischen Ziele rücken nach. Dabei gehört das Thema Auswandern nach Kroatien nicht zu den Bestsellern der europäischen Auswanderungsländer, dennoch gibt es genügend Interessenten, die sich mit dem Auswanderungsgedanken nach Kroatien beschäftigen.

Kroatien ist vielen Auswanderern schon als Urlaubsland bekannt, aber manche haben auch einen kroatischen Lebensgefährten, mit welchem sie gerne nach Kroatien gehen möchten. Für deutsche Staatsangehörige ist das Auswandern nach Kroatien nicht so schwierig, wie beispielsweise das Auswandern in die USA. Die Bedingungen und Voraussetzungen sind nicht so streng gehandelt und vieles geht einfacher. Die politischen Beziehungen von Deutschland und Kroatien sind eng und gut, was daran liegt, dass auch ein Großteil an Kroaten in Deutschland leben und arbeiten darf.

Quelle

Gera statt Australien

Monday, January 8th, 2007

Die OTZ berichtet:

René Christensen kam vor zwölf Jahren nach Ostthüringen und blieb der Liebe wegen
Von OTZ-Redakteurin Heike Schütze Eigentlich hieß das Ziel Down Under. “Ich habe Zimmermann gelernt und gedacht, dass ich als Handwerker in Australien für ein paar Jahre arbeiten könnte”, erinnert sich René Christensen. “Richtig auswandern wollte ich nicht, aber mal etwas anderes sehen und erleben.” Doch zunächst begann der heute 42-jährige Däne aus Arhus, der größten Stadt Jütlands, ein Ingenieurstudium. - Den Gedanken an Australien noch immer im Hinterkopf.1995 passierte es - jedenfalls fast: Ein dänisches Unternehmen, für das René Christensen nach dem Studium als Statiker arbeitete, schickte ihn für neun Monate ins Ausland. Australien war es nicht. Die Reise führte den jungen Mann in den Nordosten Deutschlands. In Wolgast leitete er den von der Oberfinanzdirektion Rostock in Auftrag gegebenen Bau eines Finanzamtes.

Kaum zurück in Dänemark, hieß es wieder Koffer packen. Diesmal sollte es in die Mitte Deutschlands gehen: In Gera wurde ein Hotel gebaut. “Irgendwann habe ich eine Werbetafel von Helle-Auto gesehen - ein dänisches Unternehmen. Ich hab´ nicht glauben wollen, dass es in Gera noch einen Dänen geben soll.” René Christensen muss bei den Erinnerungen an diese Zeit schmunzeln. Seine Landsmänner, auf die er damals fern der Heimat traf, wurden Freunde und sind es bis heute. Was dann passierte, hätte gut und gerne auch aus der Feder eines romantischen Drehbuchautors stammen können: In besagtem Autohaus arbeitete eine junge Verkäuferin. “Ein Jahr bin ich an ihr vorbeigegangen, bis ich mich getraut habe, sie anzusprechen”, erzählt René Christensen. Er zwinkert verschmitzt: “Jetzt ist sie Frau Christensen. Und wir haben einen sechsjährigen Sohn, Tim. Alles dank der Werbetafel.”

“Ich dachte am Anfang, er versteht kein Deutsch”, erzählt Anja Christensen vergnügt. Aber bei einem gemeinsamen Essen habe es gefunkt. Was sie an ihrem Mann so liebt? “Alles”, lacht die 36-Jährige. “Es ist das dänische Gemüt, seine herzliche, ruhige und liebevolle Art, die Bescheidenheit und Zielstrebigkeit.” Überhaupt seien die Dänen ein so freundlicher, unkomplizierter Menschenschlag. Das vermisst auch René Christensen von Zeit zu Zeit. Nachdenklich sagt er: “Weißt Du, ich beobachte oft, dass die Menschen nur das Problem an sich sehen. In Dänemark haben wir auch Probleme, aber wir sehen mehr ihre Lösung.”

Sehnsucht nach seiner Heimat, der Familie hat René Christensen oft. Er teilt sie mit seiner Frau. Und so genießen sie es, wenn sich zu Familienfeiern auch Besuch aus Dänemark ansagt. Drei, vier Mal im Jahr reist die kleine Familie selbst gen Norden. Zuwenig für den 42-Jährigen. “Wenn wir wieder nach Hause müssen, fließen die Tränen. Seit elf Jahren”, erzählt Anja Christensen. Sie hat sich inzwischen ihr kleines Stück Dänemark nach Gera geholt. Seit März betreibt sie ein Geschäft mit dänischer Mode für Frauen und Kinder sowie typischen Accessoires. “Meine Frau und meine Mutti haben in Dänemark an einem kleinen Hafen gesessen. Einem Jolle-Hafen. So ist bei Anja die Idee für den Namen ´Meine Jolle´ entstanden, erzählt René Christensen.

Er selbst arbeitet seit fünf Jahren für das dänische Unternehmen Graajaer GmbH - Agrar- und Industriebauten. Vor vier Jahren wurde eine deutsche Tochter-Gesellschaft gegründet. René Christensen ist der Geschäftsführer. “In Gera haben wir 15 Mitarbeiter, die ganze Firma hat weit über 200″, berichtet er stolz. Das Unternehmen baue vornehmlich Schweine- und Rinderställe in Dänemark, Deutschland, Polen, Ungarn, Schweden, Norwegen, der Ukraine und Russland.

Auf seine guten Deutschkenntnisse angesprochen, winkt René Christensen ab. In der Schule habe er für Deutsch - ein Pflichtfach - nicht viel übrig gehabt. Lachend erzählt er eine Anekdote: “Als ich als Bauleiter hierher kam, konnte ich kein Deutsch. Fachbegriffe aus der Statik ja, sonst nichts. Als mich der Bauherr das erste Mal eingeladen hat und über etwas anderes als den Bau sprach, wusste ich nicht, wo vorn und hinten war.” Zum Glück sei das Lernen im Alltag schnell gegangen. “Sonst kommt man nicht in einem anderen Land klar. “Anja und Tim sprechen inzwischen fließend dänisch.”

René Christensen hat in Gera sein Glück gefunden. Nach Dänemark zurückzukehren ist deshalb kein Thema. Auch, dass der dänische Hobbykoch Thüringer Klöße noch immer nicht so mag, tut der Verbundenheit zu seiner Wahlheimat keinen Abbruch.

Auswanderer-Dokusoap “Goodbye Deutschland” kommt zurück

Sunday, January 7th, 2007

Nachdem die Dokusoap “Goodbye Deutschland” bei Vox im Herbst nach einem schwachen Start doch noch zum Quotenhit entwickelte, geht es nun im kommenden Jahr weiter.  DWDL berichtet:

Als Vox am 15. August erstmals die Auswanderer-Dokusoap “Goodbye Deutschland” ausstrahlte, sah es nicht gerade so aus, als würde sich ein großer Erfolg für den Sender anbahnen, im Gegenteil: Miserable 4,6 Prozent Marktanteil erzielte die allererste Folge in der Zielgruppe.

Doch das Format legte Woche für Woche zu. Über die gesamte erste Staffel gesehen reichte es - bei wie schon erwähnt aufsteigender Tendenz - dann auch für gute 8,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen im Schnitt. Folgerichtig lässt Vox daher nun neue Folgen von “Goodbye Deutschland” produzieren.

Ab 23. Januar zeigt der Sender zwölf neue Folgen, wie gewohnt am Dienstagabend um 21:10 Uhr. Neben den bereits aus Staffel 1 bekannten Kühnes, Schimkes und Reimanns sollen auch neue Familien, die aus Deutschland auswandern wollen, zu sehen sein. Zu diesem Zweck sucht Vox derzeit auch noch neue Familien, Paare oder Freunde, die sich dabei mit der Kamera begleiten lassen wollen.

Mit “Goodbye Deutschland” besteht für Vox somit wieder Hoffnung auf Quotenbesserung am Dienstagabend. Die inzwischen auf Sonntag verschobene Hunde-Castingshow “Top Dog” konnte dort zuletzt ebensowenig überzeugen wie die eingeschobenen “Spiegel TV Extras” und nun “Ertappt - Dem Unrecht auf der Spur”.

TV-Modethema “Auswandern”: ZDF-Reportage zeigt Schattenseiten

Sunday, January 7th, 2007

satundkabel.de berichtet nach DPA:

Auswanderer sind ein Modethema deutscher Fernsehsender, die derzeit Menschen mit Fernweh und ihren Träumen in mehreren TV-Reihen großen Raum widmen.

Doch nicht alle Reportagen berichten auch über die Rückwanderer, die es, enttäuscht von der Realität im Ausland, wieder nach Deutschland zieht. Die ZDF-Reportage “Nichts wie weg?” von Iris Bettray und Juliane Metten nimmt am kommenden Dienstag um 22.15 Uhr Auswanderer und Rückkehrer gleichermaßen ins Visier.

Eva und Uwe Knells sind vor sieben Jahren an die Costa Blanca in Spanien ausgewandert. Die Schwierigkeiten ließen nicht lange auf sich warten. Knells wollten eine Baufirma aufmachen, doch die Hürden der Bürokratie ließen das Vorhaben beinahe scheitern. Aber nicht nur bürokratische Hindernisse taten sich auf, in die die Knells blauäugig hineintappten. Doch mittlerweile haben Eva und Uwe ein kleines Baugeschäft eröffnet. Die 51-Jährige bietet außerdem anderen Auswanderern Unterstützung bei Behördengängen an. Es sieht so aus, als ob sie ihre neue Heimat schließlich doch gefunden hätten.

Andere haben sich von ihrem Traum längst verabschiedet: Heike und Klaus Trumpa, 34 und 37 Jahre alt, verschlug es 2004 nach Bolivien. Die Arbeitsmarktperspektive in Deutschland war für Klaus nach dem Studium mehr als mager. Über eine Job-Börse erfuhr er von den beruflichen Möglichkeiten in Lateinamerika und überredete seine Frau, ihn zu begleiten. Völlig unvorbereitet landeten die zwei in der fremden Welt, wo Klaus als Niederlassungsleiter einer Marketingagentur für bolivianische Reiseveranstalter gutes Geld verdiente.

Das ist zwei Jahre her. Heute wissen beide, dass sie ihre Auswanderpläne zu unbedarft angegangen sind. Was sie in Bolivien erwarten würde, mit welchem Umfeld sie konfrontiert werden und wie unterschiedlich die Mentalität der Menschen ist, das alles haben sie nicht bedacht. Vor drei Monaten hat Heike in Bolivien ihre Tochter Neira zur Welt gebracht, seither sind sich die jungen Eltern sicher, dass sie ihr Kind nicht in Bolivien großziehen wollen. Der Rückflug nach Deutschland ist bereits gebucht.

Auswandern ist zunehmend ein Thema in deutschen Tageszeitungen

Sunday, January 7th, 2007

Laut Presseportal:

Berlin (ots) - Immer mehr deutsche Tageszeitungen greifen das
Thema Migration auf. Während das Land selbst durch das
Zuwanderungsgesetz offiziell ein Einwanderungsland geworden ist,
wandern viele Menschen aus Deutschland aus. Dass dieses spannende und
mit Emotionen beladene Thema nicht nur von  Dokumentationssendungen
im Fernsehen bearbeitet, sondern auch von deutschen Tageszeitungen in
höchst origineller Weise aufgegriffen wird, ist in der aktuellen
drehscheibe nachzulesen. “Vom Bleiben und Gehen” heißt das Titelthema
der Ausgabe Nr. 14  (15. Dezember).

Das Magazin aus Lokalredaktionen für Lokalredaktionen, das von der
Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird, stellt
gelungene Serien, ungewöhnliche Perspektiven und besonders gut
gemachte Themenseiten vor. Daneben hat die drehscheibe mit den
Redaktionen darüber gesprochen, wie aufwändig die Aktionen waren und
wo die Probleme bei der Umsetzung lagen.

Weitere spannende Themen für Lokaljournalisten sind in der
aktuellen Ausgabe der drehscheibe zu finden. Ein Beitrag vergleicht
erfolgreiche Relaunchs von Tageszeitungen. In einem Interview mit
Chefredakteur Stephan Richter wird die neue Sonntagszeitung des
Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags vorgestellt.

Die drehscheibe wertet täglich mehr als 120 deutsche
Tageszeitungen aus und sucht herausragende Ideen, die auch in anderen
Redaktionen umgesetzt werden können. Realisiert wird das Magazin von
der Zeitungs-Agentur Raufeld Medien in Berlin.

75 Gründe aus Deutschland auszuwandern

Friday, December 22nd, 2006

TP nennt in dem Artikel “Nichts wie weg!” folgende Gründe:

* weil Deutschland nicht nur unfähig ist, es ist unwillig, sich zu reformieren. Reform impossible!
* weil die große Koalition zwar institutionell alle Möglichkeiten hätte. Aber auch die kreist nur um sich selbst, und packt die Probleme aus Feigheit und aus parteitaktischem Kalkül nicht an.
* weil die Bevölkerung auch nicht besser ist, als ihre Regierung. Sie zwingt die Regierung nicht zum Handeln, leistet keinen Widerstand, wie die Franzosen, sondern macht wie immer schon wieder einfach mit.
* weil die Folge überall mit den Händen zu greifen ist: Ein Mehltau aus Blei hat sich über das Land gelegt. Es herrscht dumpfe Depression, die nur in kurzzeitigen hysterischen Ausbrüchen wie dem Fußball-Populismus des Frühsommers ekstatisch kompensiert wird.
* weil “Aber” das Lieblingswort der Deutschen ist.
* weil Angst das Lieblingsgefühl der Deutschen ist. Angst vor der Zukunft. Angst vor der Gegenwart. Angst vor den Fremden. Angst vor dem Eigenen. Angst vor allem.
* weil Möglichkeitssinn den Deutschen fremd ist.
* weil Phantasie und kreative Experimente in Deutschland systematisch verhindert werden.
* weil das Stahlkorsett des bundesdeutschen Rechts
* und Ordnungsrahmens, der keine Treppe ohne Geländer, keinen Papierblock ohne DIN-Norm, kein Angeln ohne Angelschein gestattet, Kreativität erstickt.
* weil alles, was doch vielleicht geht, nur im Schneckentempo geht, ohne “Drive”.
* weil die Deutschen über eine schrumpfende Bevölkerung debattieren, anstatt sich klar zu machen, dass die durch Einbürgerung jederzeit auszugleichen ist. In Norwegen werden Sprachkurse für Einwanderer vom Staat bezahlt. Fehlende Fachkräfte könnte durch bessere Ausbildung kompensiert werden.
* weil man über den Spruch “Kinder statt Inder” hier ernsthaft diskutiert hat. Kinder und Inder müsste es, wenn schon, heißen. Stattdessen ist die Realität jetzt: Keine Kinder, keine Inder.
* weil die deutsche Linke die machtvergessenste Linke Europas ist.
* weil sich in Deutschland auch die Neoliberalsten nicht trauen, die Wahrheit einfach auszusprechen, und zu sagen: “Ein paar Prozent Arme und Arbeitslose nehmen wir hin, wir wollen solche Unterschiede.”
* weil aber solche Ehrlichkeit die Voraussetzung funktionierender Gesellschaften ist.
* weil hier Leute wie Ulf Poschardt über “Deutschlands Hang zur Gleichmacherei” lästern, die angeblich “Zukunft vernichtet”, und dabei verschweigen, dass zum Beispiel im Bildungsbereich Deutschland das ungleichste Industrieland der Welt ist, und dass gerade das unser Problem ist.
* weil es hier noch nicht einmal die Kinderbetreuungplätze gibt, die gesetzlich garantiert sind. Aber auch wenn es sie gäbe, wäre das im Vergleich zum europäischen Ausland viel zu wenig.
* weil Mütter in Deutschland auf die Frage, warum sie drei Monate nach der Geburt nicht wieder arbeiten, ernsthaft und ungestraft antworten: “Warum soll ich dann überhaupt Kinder kriegen?”
* weil es aber für die Mütter, die drei Monate nach der Geburt wieder arbeiten wollen, keine entsprechenden Kinderbetreuungseinrichtungen gibt.
* weil aber niemand dafür protestiert, dass sich das ändert vor allem nicht die jungen Frauen, die am stärksten von der Situation benachteiligt werden.
* weil in Deutschland überhaupt niemand wirklich und unter Risiko für seine Rechte und gegen Missstände protestiert, und weil die, die es doch tun, sich des Missfallens der schweigenden Mehrheit sicher sein dürfen.
* weil allerorten von jedermann Kreativität und Mobilität gefordert wird, aber in der Praxis an den Schulen stupides Auswendiglernen und neualte Disziplinierung dominieren, und an den Universitäten eine neue Verschulung. Dadurch wird das Gegenteil erreicht: Schüler werden unkreativer, Studenten immobiler, die Ausbildungen insgesamt verlieren weiter an Wert, deutschen Schüler und Studenten fallen im internationalen Vergleich weiter zurück.
* weil man an den Schulen die Schulzeit verkürzt, anstatt sie zu verlängern, was angesichts des wachsenden Wissens nötig wäre.
* weil Ausbildungszusagen der Industrie seit Jahren nicht eingehalten werden.
* weil man an den Gymnasien unter der Maske des “G 8″ die Ganztagsschule einführt, die Hälfte der Kosten und des Unterrichts aber de facto auf die Eltern abwälzt.
* weil man an einer deutschen Uni nicht für Leistung und Schnelligkeit belohnt wird, sondern bestraft. Denn an der Universität treffen ein Prüfungsausschuss und Behörden, die aus Nichtakademikern bestehen, die Entscheidungen, nicht die Professoren.
* weil man mit dem BA ein Billig-Examen einführt, das auf nichts vorbereitet, und nichts bringt außer der Illusion, man habe einen Studienabschluß.
* weil “überqualifiziert” in Deutschland ein Argument ist, einen Job nicht zu bekommen.
* weil die bestausgebildete Akademikergeneration sich von Praktikum zu Praktikum und von befristeter Stelle zu Projektauftrag hangeln muss.
* weil der feste Job in jedem Fall schlechter bezahlt ist als eine Generation zuvor.
* weil man in Deutschland Gebühren für internetfähige Computer erhebt, anstatt Kabelanschluss und Internet frei Haus zu vergeben.
* weil die Automobilindustrie in Deutschland zur Heilige Kuh erhoben ist.
* weil noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, bzw. es “nicht durchsetzungsfähig” ist, sprich von der Automobilindustrie verhindert wird, die Bahnpreise niedrig zu halten, und den öffentlichen Nahverkehr zum Nulltarif zur Verfügung zu stellen, um eine echte verkehrspolitische Wende zu bewirken
* weil die Föderalismusreform gescheitert ist.
* weil in Deutschland Kulturhoheit Ländersache ist.
* weil Deutschland ein erstickend bürokratisches Land ist.
* weil der Ladenschluss immer noch nicht abgeschafft wurde
* weil die Kirche in Deutschland soviel Macht und Sonderrechte hat, wie sonst nur in Polen.
* weil es hier außer in wenigen Orten keine Kneipen ohne Polizeistunde gibt.
* weil “Das Parfüm” über 4 Millionen Zuschauer hat.
* weil Bernd Eichinger der erfolgreichste Produzent ist.
* weil man hier Joachim Fest für einen Intellektuellen hält.
* weil sich in Deutschland das öffentliche Fernsehen mit einem Kulturauftrag schmückt, diesen aber nicht erfüllt.
* weil in vielen Ländern der Welt das Wetter besser ist.
* weil in vielen Ländern der Welt der Wein und das Essen besser sind.
* weil in Deutschland die Arbeitslosenversicherung nur ein Jahr gilt, gleich wie lange man eingezahlt hat. Und eine private Arbeitslosenversicherung, die wie eine Versicherung funktioniert, gibt es gar nicht.
* weil man in Deutschland verlangt, in eine Rentenversicherung einzuzahlen, obwohl jetzt schon klar ist, dass alle Einzahler später kaum noch Rente bekommen. Auch hier gibt es keine realistische private Alternative.
* weil der Staat immer mehr Leistung verlangt, aber selbst immer weniger leistet.
* weil Leistung sich hier keineswegs lohnt. Bildung und Ausbildung garantieren heute nichts mehr. Sie sichern keine Perspektive, sie sichern nicht die Existenz, sie schützen nicht vor Arbeitslosigkeit.
* weil sich Leistung woanders weitaus mehr lohnt. Dort sind Grund und Wohnungen billig, die Gesundheitsversorgung auch, manchmal sogar umsonst.
* weil jeder, der unter 50 ist, in den kommenden Jahrzehnten immer höhere Abgaben leisten muss, ohne darauf hoffen zu können, entsprechende Leistungen zurückzubekommen.
* weil es in Deutschland mehr Bankfilialen als Bäckereien gibt.
* weil Arbeitslose mit über 45 in Deutschland kaum noch eine Stelle finden.
* weil in Deutschland die soziale Kälte zunimmt.
* weil die FDP immer noch nicht “weggeharkt” (Helmut Schmidt, 1982) wurde.
* weil vom Parteispendenskandal der CDU keiner mehr redet, und die Beteiligten quasi ungestraft geblieben sind.
* weil Kurt Beck SPD-Vorsitzender geworden ist.
* weil die GRÜNEN keinen zweiten Joschka Fischer haben.
* weil Angela Merkel es tatsächlich zur Bundeskanzlerin geschafft hat.
* weil einer wie Edmund Stoiber es beinahe auch zum Bundeskanzler geschafft hätte.
* weil einer wie Guido Westerwelle sich über zehn Jahre in einem politischen Spitzenamt halten kann.
* weil die viel beschworene Flexibilisierung eben auch bedeutet, dass man in Länder auswandert, wo man bessere Bedingungen findet.
* weil Neonazismus und Rechtpopulismus in Deutschland wie in ganz Europa zunehmen, und nichts dafür spricht, dass sich diese Tendenz in Zukunft ändert,
* weil es hier keine Perspektive gibt.
* weil es den Kindern von heute morgen nicht besser gehen wird. Darum bekommen immer mehr Erwachsene auch erst gar keine.
* weil die Gesellschaft überaltert, und viele Alte auf ihrem sehr breiten Hinterteil solange sitzen bleiben, bis sie tot umfallen, aber nie Jüngeren von selbst Platz machen würden.
* weil die EU keine gemeinsame Außenpolitik entwickelt.
* weil die EU der ökonomischen keine politische und kulturelle Union folgen lässt.
* weil die EU keine handlungsfähigen Institutionen ausbildet.
* weil die EU keinen politischen Willen hat.
* weil es der EU wieder besseres Wissen nicht gelingen wird, die Türkei aufzunehmen, und weil dieses moderne Schisma verheerende Folgen für Europa und sein Verhältnis zur islamischen Welt haben wird.
* weil ganz Europa mittelfristig dem Untergang geweiht ist.
* weil das 21. Jahrhundert das asiatische Jahrhundert sein wird. In ein paar Jahrzehnten wird Europa nur noch als Freizeitpark und romantisches Urlaubsrefugium existieren.
* weil es woanders besser ist: In Kanada, Australien und Neuseeland, in Indien und China, in Argentinien und Brasilien zum Beispiel
* weil zu viele Deutsche auswandern.

Trend zum Auswandern nimmt weiterhin zu

Friday, November 24th, 2006

Nach aktuellen Angaben des statistischen Bundesamts suchten im letzten Jahr 144 815 Deutsche ihr neues Glück im Ausland. Dies ist die höchste Zahl an Auswanderern seit 1954.  www.business-on.de  berichtet:

Auf Grund der geringeren bürokratischen Hürden nehmen europäische Länder mittlerweile schon acht der zehn Spitzenplätze bei den Zielländern der Auswanderer ein. Weit vorn auf Platz zwei (nach der Schweiz) liegt aber weiterhin das klassische Auswanderungsland USA mit insgesamt 13 569 Einreisende. Damit ist die Zahl der in die Vereinigten Staaten abwandernden Deutschen nach vorübergehenden Einbrüchen wieder auf das Niveau vor den Anschlägen des 11. Septembers gestiegen.

“Erstmals seit 2001 verzeichen auch wir wieder einen deutlichen Aufwärtstrend bei den Anfragen für die Beantragung von Visa und GreenCards für die USA” bestätigt auch Holger Zimmermann, Geschäftsführer der Beratungsstelle für Auswanderer “The American Dream”. Das Unternehmen rechnet für das laufende Geschäftsjahr sogar mit einer Verdoppelung der Beratungsaufträge im Vergleich zum Vorjahr.

Im Gegensatz zu den innerhalb der europäischen Union umziehenden Deutschen bleiben die US-Auswanderer meist auch langfristig im Ausland. “Von über 6 000 Personen, die wir in den letzten Jahren bei einem Fortzug in die USA beraten haben, wissen wir nur von einer Handvoll Rückkehrern”, so Zimmermann. Auch Probleme vor Ort seien eher selten: Selbst mit geringen Englischkenntnissen und minimaler Qualifikation hätten deutsche Auswanderer gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz. Vorausgesetzt, man lässt sie überhaupt einreisen:Die größte Hürde stellt die Bewilligung der Green-Card dar. Jährlich dürfen nur rund 600.000 Ausländer legal ins Land, während sich allein an der GreenCard-Lotterie im letzten Jahr 6,3 Millionen Personen beteiligten.

Am 3. Dezember ist Einsendeschluss für dieses weltweit einzigartige Programm, mit dem die USA um qualifizierte Einwanderer buhlen. 55.000 Aufenthaltsgenehmigungen werden verlost, darunter wie jedes Jahr auch etwa 1.000 an deutsche Bewerber.

Voraussetzung sind mindestens ein Realschulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

BRITISCHE AUSWANDERER - Lust auf lovely Deutschland

Friday, November 24th, 2006

Nicht nur Deutsche wandern aus, sondern auch Britten - und zwar immer öfter auch nach Deutschland! Der Spiegel berichtet:

London - Chris Allans Heimatstadt Norwich an Englands Ostküste lockt Monat für Monat Tausende Touristen an. Im mittelalterlichen Zentrum mit dem normannischen Schloss ist kaum noch Platz für die ständig eintreffenden Reisebusse. Doch den pensionierten Grundschullehrer Allan hält hier nichts mehr: Er will auswandern, und zwar an den Rhein.

“Norwich ist eine schöne Stadt, aber ich verbringe seit Jahren meinen Urlaub im Rheinland und liebe die Landschaft dort”, sagt der 63-Jährige. Außerdem seien im Vergleich zu England die Immobilien billig, und per Auto oder Zug sei die alte Heimat ja nah: “Koblenz ist nur einen Katzensprung entfernt. Für Leute, die nach Spanien oder Italien auswandern, ist es schon etwas schwerer, mit alten Freunden in Kontakt zu bleiben.”

Einer BBC-Umfrage zufolge erwägt mittlerweile ein Viertel der Briten, ins Ausland umzuziehen. Immerhin für vier Prozent heißt das Traumziel Deutschland.

“Man fühlt sich viel sicherer hier”

Schon heute leben laut Statistischem Bundesamt 96.000 Briten in Deutschland. Der größte Teil ist viel jünger als Pensionär Allan aus Norwich. Die meisten sind zwischen 25 und 40 und kamen berufsbedingt - auch wenn die britische Arbeitslosenquote bei 5,5 Prozent liegt und damit deutlich unter der deutschen.
chon in den frühen achtziger Jahren war Deutschland für britische Arbeiter ein so beliebtes Ziel, dass die BBC eine erfolgreiche Fernsehserie zum Thema erfand: In “Auf Wiedersehen, Pet” geht es um fünf arbeitslose Bauarbeiter, die nach Düsseldorf ziehen, um dort ihr Glück zu suchen.

Damals siedelten hauptsächlich Arbeiter aus dem Baugewerbe über. Heute kommen meist bestens ausgebildete britische Fachkräfte - wie Steve Hastings, ein Laser System Consultant aus London. “Erst kam ich nur für drei Jahre hierher”, sagt der 44-Jährige, “aber mir wurde bald klar, dass ich wegen meiner Karrierre ganz nach Deutschland ziehen muss.” Sein Arbeitsfeld werde “in England kaum gefördert, während Bayern sich auf die Hightech-Industrie spezialisiert”.

Zwar vermisst der Londoner den Humor seiner Landsleute - doch dafür sei die Lebensqualität in München bedeutend höher als in London. “Die Bayern mögen sich über die steigende Kriminalität in ihrem Land beschweren. Aber mit England kann man das noch lange nicht vergleichen.”

Ein Grund zur Klage: die Bürokratie

Auch Chris Hawley, ein 45-jähriger Ingenieur aus Portsmouth, führt die geringe Kriminalität als riesigen Vorteil an. “Was ich definitiv nicht vermisse, sind die ständigen Schlägereien von Betrunkenen in England und die vielen Asozialen, die jedes Wochenende die Straßen unsicher machen.” In München dagegen, sagt er, “versammeln sich riesige Menschenmassen in den Biergärten, und trotzdem kommt es nicht zu Krawallen. Man fühlt sich viel sicherer hier”.

Auch Declan Browne aus Glasgow zog berufsbedingt nach Deutschland, nachdem seine Halbleiter-Firma geschlossen wurde. Mit neun anderen Schotten entschloss er sich, in Brandenburg einen Neubeginn zu wagen: “Wir bekamen finanzielle Unterstützung von der Landesregierung und arbeiteten gemeinsam mit deutschen Wissenschaftlern. Es war erst schwierig, weil unsere Arbeitsmethoden doch sehr unterschiedlich waren, aber wir haben viel voneinander gelernt.” Heute lebt er in Dresden. “Ich liebe es hier. Die Leute sind sehr freundlich und offen, das Kulturangebot ist fantastisch und dazu noch sehr günstig. Ausgehen ist billig hier.” Nur die kalten Winter und die deutsche Bürokratie machen ihm zu schaffen.

Die Auswanderungswelle wird kaum als Problem empfunden

Während es in im vergangenen Jahr 145.000 Deutsche ins Ausland zog, verließen im selben Jahr 350.000 Briten ihr Heimatland, um sich in Spanien, Australien, Frankreich oder eben Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Die meisten gaben an, wegen der teuren Lebenshaltung, des miesen Wetters und der insgesamt “schlechten Lebensqualität” auszuwandern.

Anders als in Deutschland wird die Emigrationswelle jedoch kaum als Problem empfunden. “Die Welt rückt halt enger zusammen. Die Menschen haben eine größere Wahl, wo sie leben können - das kann doch nur gut sein”, sagt Musikproduzent Gary Alderson, der seit zwei Jahren in Hamburg wohnt.

Der 32-Jährige weiß, dass viele seiner Landsleute noch immer ein negatives Bild von Deutschland haben. Auch seine Freunde wunderten sich, als er ihnen von seinen Umzugsplänen erzählte. “Die englische Boulevardpresse stellt die Deutschen noch immer als humorlose, arrogante Besserwisser dar, die im Urlaub um sechs Uhr morgens aufstehen, um den armen Briten die besten Plätze am Swimmingpool zu stehlen.” Die Wirklichkeit überzeugte aber auch die Kritiker, erzählt Alderson: “Alle, die bisher zu Besuch gekommen sind, haben sich sofort in Hamburg verliebt.”

Dass immer mehr Deutsche von ihrem eigenen Land genug haben und auswandern, findet er erstaunlich: “Das Gras ist auf der anderen Seite immer grüner, aber die Deutschen sollten sich der vielen Vorteile ihres Landes besinnen. Vielleicht mag es in China oder Indien bessere Jobchancen geben, aber in einer so fremden Kultur zu leben kann doch verdammt schwer sein.”

Unter den britischen Neu-Deutschen findet sich auch eine auffallend große Zahl an Künstlern und Musikern. Ganz gelassen nehmen es zum Beispiel die Einwohner von Münster hin, wenn plötzlich Howard Donald von Take That, der erfolgreichsten Britband seit den Beatles, in der Supermarkt-Schlange vor ihnen ein paar Eier kauft. Der 38-Jährige wohnt schon seit Jahren in der Stadt.

“Jetzt traut euch doch endlich!”

Lisa Glazebrook, 29, eine Fotografin aus Bradford, führt Deutschlands Anziehungskraft auf Künstler auf die reiche Geschichte des Landes zurück: “Deutschland hat eine einzigartige Kulturgeschichte, sowohl in der Malerei als auch der Musik und Literatur.” Schon in den siebziger Jahren zogen ja Musiker wie David Bowie nach Deutschland - “um dort neue Inspiration zu finden”, sagt Glazebrook, “und das setzt sich bis heute fort. Dazu kommt, dass Deutschland für Engländer exotisch genug ist, um uns neue Anstöße zu geben, aber doch vertraut genug, um sich schnell zu Hause zu fühlen”.

Natürlich gibt es auch Reibungspunkte. “Was mich immer an Deutschland gestört hat und auch der Hauptgrund für meine Rückkehr nach England war, ist der Pessimismus der Leute”, sagt Paul Greco, früherer Bassist der britischen Band Chumbawamba. Acht Jahre lang lebte er in Köln und stellte dabei fest: “Niemand geht Risiken ein, niemand glaubt genug an sich, um wirklich etwas auf die Beine zu stellen. In England haben die Leute weniger zu verlieren und wagen deshalb auch mehr. Wie oft wollte ich meine deutschen Freunde aufrütteln und ihnen sagen: ‘Jetzt traut euch doch endlich!’”

Sogar das Wetter ist besser

Auch Unhöflichkeit fällt vielen Briten in Deutschland negativ auf. Steve Hastings, der seit 13 Jahren in München wohnt, entsetzt sich immer noch über “unglaublich rüdes” Verhalten: “Anders als in England hält niemand mal einer Frau mit Kinderwagen die Tür auf. In der U-Bahn drängeln sich die Leute in das Abteil, ohne erst die Aussteigenden herauszulassen. Vom Schlangestehen haben die Deutschen wirklich keine Ahnung.”

Einige wollen in den kommenden Jahren nach Großbritannien zurückkehren - allerdings weniger wegen solcher Probleme, sondern wegen bürokratischen Ärgers. Hastings zum Beispiel bangt um seine Rentenabgaben: “Momentan zahle ich noch in meine englische Kasse, aber wenn ich in Deutschland bleiben würde, würde ich im Alter davon keinen Pfennig sehen.” Andersrum ist es nicht weniger problematisch: “Wenn ich jetzt in eine deutsche Kasse zahlen und dann nach England zurückgehen würde, würde ich genauso leer ausgehen. Die EU muss unbedingt eine Regelung für die Angleichung von Sozialabgaben schaffen.”

Sollte es dazu nicht kommen, wird der 43-Jährige München wieder verlassen. “Schade”, sagt er. “Denn selbst das Wetter hier in Deutschland ist besser als bei uns.”

Sehnsucht nach Walliser Fendant und gegrillten Würsten

Monday, November 6th, 2006

Über eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland. Wie es ihnen ergeht schreibt swissinfo.org:

“ich schreibe dir, weil ich nicht bei dir bin” heisst das von Madeleine Weishaupt herausgegebene Buch mit Briefen von Auslandschweizerinnen und –schweizern.

Wer im Ausland lebende Freunde besucht und feststellt, dass die sich zu regelmässigen Jass-Abenden mit anderen Schweizern treffen und den 1. August mit Bratwurst und Feuerwerk feiern – sei es in Moskau, Berlin oder am Mittelmeer – ist vielleicht erstaunt.

Was es auf sich hat mit diesen Schweizer Ritualen, versteht wohl nur, wer selbst eine Weile im Ausland gelebt hat. Wie die seit elf Jahren in Nürnberg lebende Schriftstellerin Madeleine Weishaupt.

33 Briefe von Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern hat sie nun als Buch herausgegeben.

Es geht in diesen Briefen nicht ausschliesslich ums Essen. Und doch fällt auf, wie wichtig gerade in diesem Bereich der Geschmack und Duft des Vertrauten ist, wenn man sich über längere Zeit mit viel Neuem und Fremden auseinandersetzt.

So schwärmt Christian Hurni in Kanada: “Den ersten August feiern wir Helvetianer auf der ganzen Welt, wir tanzen dann zum Schwyzerörgeli, singen aus frischer Kehle (es Burebübli mag i nöd), schwärmen von unserem Walliser Fendant und der grillierten Cervelat.”

Abschiedsbrief nach 17 Jahren Trennung

Die 33 Briefe geben sowohl stilistisch wie von ihrer Haltung und Absicht her ganz unterschiedliche Ansichten zur Schweiz.

So klingt der Brief “Liebe Schweiz!” der in Neuseeland lebenden Hausfrau Simone Freeman wie eine Rede an einen Ex-Ehemann: “Zwar leben wir nun seit über 17 Jahren getrennt, du und ich, du noch immer im Herzen Europas (wofür ich dich unheimlich beneide), ich hier und dort und manchmal nirgends so richtig.”

Die Beziehung zur Schweiz wird nicht unbedingt schwieriger, wenn man im Ausland lebt, aber sicher häufiger reflektiert. “Du wirst es kaum glauben, liebe Schweiz”, schreibt Simone Freeman weiter, “aber seit ich eine unübertreffbare räumliche Distanz zu dir geschaffen habe, scheine ich mich dir wieder angenähert zu haben.”

Und doch ist dies ein Abschiedsbrief: “Ich bin überzeugt, dass wir Freunde bleiben werden, ich weiss aber auch, dass du dich unwiderruflich von mir entfernt hast. Ich bin zur Fremden geworden. Aber mach dir keine Sorgen, in der Fremde bin ich nicht mehr fremd, da bin ich einfach ich.”

Heimweh und Melancholie

Der seit langem am Rand von Berlin lebende Churer Schriftsteller Silvio Huonder schreibt seinem Vater eine “Anleitung für eine Deutschlandreise” für den geplanten Besuch und mahnt ihn: “Wenn du am Morgen einen meiner Nachbarn siehst, frage ihn nicht, ob er krampfen gehen muss. Der Arbeitsethos ist hier einiges lockerer als bei euch.”

Besuche aus der Heimat erinnern den Auslandschweizer daran, dass er im Ausland lebt und zerstören seine “Illusion, es würde keine Rolle spielen, ob ich hier bin oder dort”. Denn diese “Illusion schützt mich vor Heimweh, Melancholie und ähnlich störenden Gefühlen.” Die Schweiz tut manchmal weh, besonders wenn man ohne sie unterwegs ist.

Das weiss auch die Herausgeberin des Briefe-Buches, Madeleine Weishaupt. Gefunden hat sie die 33 Briefautoren und –autorinnen zum Teil durch persönliche Kontakte und daneben durch Ausschreibungen in Botschaften, Schweizer Clubs und international präsenten Schweizer Zeitungen.

“Vieles aus diesen Briefen hat mich stark berührt, weil ich es aus eigener Erfahrung kenne”, sagt Madeleine Weishaupt gegenüber swissinfo. “Das weckt Gefühle.”

Wie Distanz verbindet

Auch ihr eigenes Schweiz-Bild hat sich im Lauf ihres bisher elfjährigen Aufenthalts in Deutschland verändert: “Einerseits wird die Sehnsucht, wieder in der Schweiz zu leben, immer grösser, andererseits wird die Schweiz auch immer fremder, weil der aktuelle Tagesbezug fehlt, der Alltag.”

Madeleine Weishaupt fühlt sich in Deutschland angekommen, dennoch weiss sie, dass sie eines Tages in die Schweiz zurückkehren wird. “Das ist mein grosser Wunsch.” Nicht nur das Bild der Schweiz verändere sich im Lauf der Zeit, sondern auch das des Auswanderungslandes.

Das Buch richtet sich nicht nur an Auslandschweizerinnen und –schweizer, sondern gerade auch an Menschen, die hier in der Schweiz leben. “Viele sind etwas blauäugig, was das Auswandern angeht und glauben, das sei ganz einfach, was ein grosser Irrtum ist”, sagt die Autorin und Herausgeberin.

Paradoxerweise verbindet die Distanz zur Schweiz. Wie Madeleine Weishaupt geht es vielen Landsleuten im Ausland: “Hier in Deutschland feiere ich den 1. August, was ich in der Schweiz nie getan hätte.”

swissinfo, Susanne Schanda

Auswandern mit 70 “Jeden Tag Ferien!”

Monday, October 30th, 2006

nachrichten.at berichtet:

Es ist ein großer Schritt, sein Haus zu verkaufen und in ein anderes Land zu ziehen. Ein viel gewaltigerer Schritt ist es aber, das im hohen Alter zu tun - so wie Margaret (66) und Bruce Porter (70) vor einem Jahr. Das britische Pensionistenehepaar übersiedelte im September 2005 vom Süden Birminghams in eine Siedlung in Alkoven.

“Unsere Tochter lebt mit ihrem österreichischen Ehemann und unseren zwei Enkeln nicht weit von hier”, nennt Margaret den wichtigsten Beweggrund, warum es sie in die Alpenrepublik verschlagen hat. Die erste Zeit war als “Testperiode” gedacht, da beide kaum Deutsch konnten.

“Marvellous!”

Doch heute, ein Jahr später, schwärmen beide unisono mit noch immer “kleinen Deutsch”: “Marvellous, wunderbar. Wir haben unsere Entscheidung noch keine Sekunde bereut.” Und Bruce fügt in seiner sarkastisch-britischen Art hinzu: “Jeder Tag ist hier für uns wie Ferien. Ist das nicht viel besser, als zu warten, bis der Sensenmann an die Tür klopft?”

Dass sich die der British-Telecom-Pensionist und die Ex-Anwältin in ihrer neuen Umgebung so wohl fühlen, verdanken sie in erster Linie der enormen Hilfsbereitschaft der Nachbarn, aber auch ihrer eigenen Kontaktfreude. “Die Menschen hier haben uns von Anfang an so akzeptiert, wie wir sind. Das hätten wir in Großbritannien nie so gefunden”, ist sich Bruce sicher. Ob bei einem schnellen Nachmittagskaffee oder bei der Silvester-Party der Siedlung, ob bei der Suche nach einem Handwerker oder nach Hilfe bei einem Übersetzungsproblem: Sie sind von Anfang an integriert worden.

Überhaupt hat Bruce ein Faible für die österreichische Lebensart. Darunter versteht er, dass man hier mehr auf die Familie achtet, dass Gesundheit, Wellness, gute Ernährung einen höheren Stellenwert genießen, aber auch, dass in jedem größeren Ort eine Bank und ein Supermarkt sind. “Österreich ist in diesem Sinn 30 Jahre hinter Großbritannien. Und das ist gut so.”

Freilich vermissen sie ihre alten Freunde, doch mit Telefon und Internet halten sie Kontakt. Margaret fehlt auch der frische Meeresfisch. Dafür haben die beiden österreichischen Wein und das Kürbiskernöl für sich entdeckt.

Wenn die beiden in ihrem Sofa sitzen und das vergangene Jahr Revue passieren lassen, wirken sie wirklich zufrieden.